Dienstag, 19. Oktober 2010

Ereignissreiche Wochen

Es gibt schon wieder viel zu erzählen aus dem warmen Herzen Afrikas.
Nachdem wir, die WG, vom 8-10.10 in Zomba wandern waren, ich während letzter Woche viel zu tun hatte und letztes Wochenende endlich Lake of Stars war gibt es natürlich einen Blogeintrag dazu.

Wollen wir mal mit dem schon solange zurückliegenden Zombawochende anfangen.
Am Freitag durften wir alle freundlicherweise schon etwas früher von der Arbeit heim, damit wir noch möglichst im hellen ankommen und uns um alles kümmern konnten. Also starteten wir so gegen 14:30 von Limbe auf die erste WG-Reise. Der Bus nach Zomba, der ehemaligen Hauptstadt Malawis war schnell gefunden, doch noch sehr leer, was heißt, es wird gewartet bis alles voll ist. Nach einer Stunde warten in der prallen Sonne, im engen Bus, mit geruchsintensiven Sitznachbarn und eingedeckt mit vielen malawischen Leckereien (Mandazi (fritiertens Gebäck aus Maismehl), Samoosa, Maiskolben und eine Coke) freute man sich auf eine Stunde Fahrt nach Zomba.
In Zomba angekommen suchten wir uns ein nettes Hostel für 450 Kwacha p.P., umgerechnet 2,25€. Ich mochte gar nicht erst wissen wie diese Bude aussehen musste, wurde jedoch positiv überrascht. 2 Simple Betten sogar mit Moskitonetzen und einem Tisch. Das Fenster war verschließbar und der Raum absolut Kriechtier frei.

Nachdem wir was gegessen hatten, liefen wir noch zu den wwf in Zomba, ca. 10 Minuten von unserem Hostel entfernt. Doch Simon Christian und mir war der Abend noch zu jung, so ging es auf zu unserem ersten Chibuku Shake Shake (lokales Maisbier) in einer local Bar. Der Abend wurde noch lustig, aber nicht zu spät, wir wollten schließlich am nächstem Morgen früh los aufs Zomba Plateau.
Samstag morgens um halb acht gabs dann noch Chips mit Salat zum Frühstück und dann zogen wir zu sechst los. Schon jetzt brannte die Sonne, es schien ein anstrengender Tag zu werden. Wir wollten den sogenannten potato path, also Kartoffelweg, den die Malawier entlang laufen um Kartoffel, Holz und andere Sachen die der Berg hergibt ins Tal zu bringen. Bereits nach 30 beschwerlich steilen Minuten nutzten unsere 2 Frauen den anhaltenden Pick-up als Lift nach oben zum ersten Treffpunkt: dem Luxushotel Kuchawe Inn.
Nur noch zu viert ging es dann den manchmal doch verdammt steilen Weg nach oben. Ab ca. der Hälfte der Strecke wurden wir von drei Jungs, ca. 10 Jahre alt nach oben begleitet. Nach knapp 2 Stunden hatten wir das Plateau erreicht. Schweißnass oben angekommen, quartierten wir uns in eine Hütte auf der Forellenfarm oben auf dem Plateau ein, welches uns die Mädels freundlicherweise schon gesucht hatten. Von jetzt an ging es wieder zu sechst weiter.
Es war eine ganz andere Umgebung, wir fühlten uns wie im Dschungel, aber davon wurden wir am Sonntag erst noch richtig überzeugt, dazu später mehr. Erstes Ziel waren die William-Falls. Dort angekommen, war es eine willkommene Erfrischung. Die Temperatur betrug oben auf dem Plateau in der Sonne sicherlich 40 Grad und die Luft stand zwischen den Bäumen. Der Weg am Fluss entlang war wunderschön und machte mir bewusst wo ich mich befand: Nicht in Europa. Christian, Simon und ich unterzogen uns dem doch ziemlich kalten Nass. Nach der Abkühlung wollten wir noch hoch bis zu einer kleineren Erhebung den Ausblick genießen, doch wurde der Weg immer länger und schien nicht wirklich enden zu wollen. Die eine Hälfte von uns machte sich dann auf den Weg zurück und Simon, Christian und ich gingen querfeldein durch Sträucher und Farne hoch zur Spitze. Der Weg sollte eine Vorahnung zu dem sein was uns am nächsten Tag erwarten würde.
Der Plan am Sonntag war hoch zum zweithöchsten Gipfel des Plateau zu gelangen. hatte der Tag für jemanden kein gutes Ende gefunden: Svenja hatten einen ordentlichen Sonnenstich und war damit für den nächsten Tag ausgeschaltet. Astrid begab sich mit ihr am nächsten Morgen dann wieder nach Hause während die toughen Männer ihren Heißhunger auf Bewegung stillen wollten. Wir 4 einigten uns auf eine Route die zu einem genialen Aussichtspunkt führt, nachdem wir im Kuchawe Inn das meiste unseres Gepäcks untergebracht hatten.
Wir wollten also hoch, doch wir wollten nicht einfach die Straße hochlaufen, sondern die Trampelpfade quer durch das Plateau benutzen, ein bisschen Abenteuer sollte es schon sein, ein bisschen wie gesagt. Und da wir eine Wanderkarte dabei hatten und den Weg zu wissen glaubten verzichteten wir auf einen Wanderguide. Anfangs waren die Wege noch gut und klar als Wege erkennbar, doch der Wald war noch ein echter Wald ohne die roten Punkte, blauen Striche oder gelben Kreuze die bei uns immer an den Bäumen kleben um die Wanderwege zu kennzeichnen. Die Sonne brannte uns allen auf den Nacken, bei gefühlten 45°C wurden sie von Minute zu Minute röter und röter. Unser Weg wurde mit der Zeit immer weniger sichtbar, aber wir liefen unbeirrt immer weiter und redeten uns auch dann noch gegenseitig ein, dass hier schon ein Art Weg sei, als wir uns durch die manchmal um die 2,5 Meter hohen Dornenbüsche kämpfen mussten. Jetzt waren wir tatsächlich im Dschungel des Zomba Plateaus angekommen, unfreiwillig. Gibt ja schließlich nur 20 giftige Schlangen in Malawi sowie einen Leoparden auf dem Plateau. Eine Stunde später befanden wir uns eigentlich nur noch in einem Wald aus Dornen.
Es war ein Weg zu erkennen, doch musste der vor sehr langer Zeit das letzte Mal benutzt worden sein. Bewaffnet mit Stöcken schlugen wir uns den Weg durch die meterhohen Dornen immer tiefer ins Verderben.
In der Mittagssonne musste nun die Entscheidung, fallen wie wir wieder zurückkommen. Der ursprüngliche Plan, hoch zum Gipfel zu wandern war jetzt schon längst vergessen. Zurück durch die Dornenbüsche, durch die wir die vergangenen 1,5 Stunden gelaufen waren, war nicht sehr verlockend. Da Bäche immer Richtung Tal fließen und nur wenige Meter von uns ein Bach sich den Weg nach unten bahnte, beschlossen wir samt Wanderschuhen den Bach hinunter zu waten. Eine willkommene Abkühlung, aufgrund der Tatsache das wir kein Trinkwasser mehr hatten. Das Rinnsal war selten zu sehen, eher zu hören. In dem Wissen das der gesamte Flussverlauf von Dornen gesäumt war, verließ einen die Lust. Die steilen Hänge zur linken und rechten versprachen auch keine Rettung. Kilometerweit um sie herum befanden sich nur Gestrüpp, Dornen und diese unsägliche Hitze.
Der Bach führte uns nach nicht allzu langer Zeit wieder zurück zu dem Wasserfall den wir am Vortag aufgesucht hatten. Dann ging es zurück zur Forellenfarm. Erschöpft und glücklich den Fängen des Berges entkommen zu sein, bestellten wir ein Taxi das uns den Berg runter nach Zomba bringen sollte. Wir wussten jetzt, dass wir uns das nächste Mal einen der vielen netten Guides nehmen werden. Am frühen Abend, aber schon in der Dunkelheit kamen wir wieder in Limbe an.

Unter der Woche, dann fuhren wir mit der Arbeit in ein Dorf um dort, mit den Kindern und vor allem mit den Eltern Spielzeug aus vorhandenen Grundstoffen herzustellen. Es wurden teils großartige Autos aus Draht gebaut. Es wurden Puppen und Bälle genäht und mit Wollresten gestopft. Und auch ich habe eine Puppe und einen Ball genäht. Am anderen Tag bastelten wir uns Bücher und produzierten mit den Eltern zusammen Naturfarben, aus Tomatenblättern, Bougainvilleblüten, Ziegelsteinen, Asche und Lehm entstanden teils knallbunte Farben.
Und wenns mal keine Basteleien gab, hab ich mit den vielen kleinen Kindern solange gespielt bis mir heiß war und mein T-shirt vor Schweiß an mir klebte. Es war eine super Arbeitswoche.
Und ich habe diese Woche erfahren das meine Organisation von der deutschen Kindernothilfe unterstuezt wird, die uns in den naechsten Monaten besuchen werden.

Da am Freitag Muttertag war und Muttertag in Malawi ein gesetzlicher Feiertag ist, wollten Christian, Simon und ich schon am Donnerstag Mittag zu Lake of Stars aufbrechen, um das Festival in vollem Umfang zu erleben. Bepackt mit einem Zelt, ein bisschen was zum anziehen, einer Badehose, leckeren Instantnudeln, Toastbrot und leckeren Getränken zogen wir also los. Und wie kommt man günstiger nach Mangochi als mit dem Minibus, gar nicht. Deswegen wieder einmal eine Minibusfahrt, doch diesmal etwas länger, nämlich 5 ½ Stunden bis zur Lodge, wo das Festival die nächsten drei Tage stattfinden sollte. An der Straße zur Nkopola Lodge, setzte uns der Minibus im Dunkeln mit dem Hinweis, es sei noch 1 km zu laufen ab. Doch glücklicherweise standen schon Fahrradtaxis bereit, die uns für 150 Kwacha (0,75€) zur Lodge fuhren. Wir holten uns dort unsere Bändchen für Festival und Camping und gingen zum Campingplatz. Dort erwartete uns ein unglaublicher Anblick, unsrer Campingplatz lag 5 Meter vom See entfernt und genau dort bauten wir unser Zelt auf. Völlig glücklich holten wir uns noch ein Bier von der Bar und chillten uns an den Strand und genossen einfach.
Am nächsten Morgen wurden wir von einem super Sonnenaufgang über dem See geweckt, es hätte auch das Meer sein können. Überwältigt von dem doch ziemlich großen Festivalgelände, mit 3 Bühnen, zwei davon direkt am Strand, freute man sich auf das was da kommen würde.
Am Mittag dann kamen auch die anderen Freiwilligen aus ganz Malawi eingetrudelt. Es war schön die Gesichter vom Vorbereitungsseminar in Deutschland und denen, die man 7 Wochen zuvor in Lilongwe kennengelernt hatte zu sehn. Der Sand wurde von der Sonne tagsüber auf ca. 50°C aufgeheizt und man konnte nicht Barfuß laufen, außer direkt am See.
Freitag, Samstag, Sonntag kann man mit den Worten, super Musik, super Sonnenschein, super nette Menschen aus Malawi, USA, Großbritannien und der ganzen Welt oder einfach ein richtig superaffengeiles Festival zusammenfassen. In der Nacht Samstag/Sonntag tanzten wir mit noch ca. 300 Übriggebliebenen am Strand bis zum Sonnenaufgang. Besser geht nicht ! Oder auch wie auf den Lake of Stars T-shirts steht : ´There isn´t any festival like this in the world`.
Da am Sonntag nur wenig Minibusse fuhren und wir für Montag eine Mitfahrgelegenheit von der Jacaranda-Band, die auch auf dem Festival gespielt hatte, angeboten bekommen hatten, fuhren wir erst am Montag Mittag wieder zurück.
Es waren einfach unglaubliche Tage.

Jaja so ist das hier, jetzt steht erstmal eine recht entspannte Woche an, am Donnerstag und am Wochenende wird Gregors Geburtstag gefeiert.
Mit meinen Haaren ist bis jetzt noch nichts passiert, aber das ändert sich demnächst, wenn ich zeit dafür habe.

Ich hoffe bei euch ist auch alles klar soweit und den Unineueinsteigern faellt der Start hoffentlich leicht.
Soviel Neid muss bei euch auch gar nicht aufkommen, denn bei mir beginnt demnächst die Regenzeit, mal schaun wie das so abläuft hier.

Bilder von alledem kommen hoffentlich bald nachgeliefert !


Mupereke moni kwanse

Malawische Grüße Manu

3 Kommentare:

  1. naja ein bisschen neidisch darf man schon sein ;)
    es hört sich aber echt toll an was du so erlebst, hoffe es werden noch weiter schöne monate bei dir.

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  2. Hallo Du Abenteurer,
    das ist schon ein bissl zwiespältig, was du so schreibst. Erleichternd ist, dass du das schreibst, NACHDEM du es hinter dir hast (hier ist der Ausflug gemeint). Deine schilderungen vom Festival machen aber schon neidisch; und gleichzeitig erfreut, dass du solche Dinge erlebst und es super beschreibst (da hört man dein feeling raus!!!)

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  3. hallo manuel,
    toll deine erlebnisse auf diesem weg mitzukriegen.
    Bei euerm ausflug in die berge fällt natürlich allen eltern (sicher ganz besonders deinen)und anderen auch das herz in die hosentasche oder sonst wo hin.
    Die bilder vom see sind traumhaft, da bekommst du sicher bald reichlich besuch.
    Hier sind auch regentage und kältetage und wir ziehen uns jetzt zum winterschlaf zurück.
    ganz liebe grüße an alle 2-,4 oder ohne-beiner

    uli aus stuttgart

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